Siegel prüfen

2. August 2026

Woran Sie ein gefälschtes Siegel erkennen

Ein Nachweis ist nur so viel wert wie die Möglichkeit, ihn nachzuprüfen. Alles, was Ihnen jemand zeigt, kann er auch gebaut haben. Alles, was Sie selbst abfragen, nicht.

Die eine Regel

Wenn Sie sich nur einen Satz aus diesem Text merken, dann diesen:

Tippen Sie die Adresse der Prüfstelle selbst ein und schlagen Sie dort nach. Alles, was Ihnen gezeigt oder geschickt wird, kann die Gegenseite hergestellt haben.

Der Grund ist einfach: Eine Auskunft, die auf dem Server der Prüfstelle entsteht, kann niemand fälschen, der keinen Zugriff auf diesen Server hat. Alles andere kann er fälschen, und die fünf folgenden Formen sind genau das, geordnet nach Häufigkeit.

1. Der Screenshot

Ein Bild einer Bestätigungsseite, geschickt im Chat. Die häufigste Fälschung, weil sie die einfachste ist. Es braucht nicht einmal ein Bildbearbeitungsprogramm: Jeder Browser erlaubt es, den angezeigten Text einer Seite direkt zu verändern und davon einen Screenshot zu machen. Das dauert weniger als eine Minute und sieht danach perfekt aus.

Ein Screenshot beweist nichts. Auch nicht, wenn er gestochen scharf ist, auch nicht, wenn Datum und Uhrzeit darauf stehen, und schon gar nicht, wenn er als „Beweis" angeboten wird, statt dass man Sie selbst nachschauen lässt.

2. Das Abzeichen im Profilbild

Ein Siegel-Symbol, in die Ecke des Profilbilds montiert, oder eine Grafik in der Bio. Eine Grafik ist eine Grafik. Jeder kann sie sich dorthin setzen, und es gibt keine Technik, die das verhindert.

Kein Verfahren, das seinen Namen verdient, verlässt sich darauf, dass ein Bild nicht kopiert werden kann. Wenn eine Plattform Abzeichen vergibt, gelten sie außerdem nur innerhalb dieser Plattform. Im Telegram-Chat, in dem das Gespräch dann weiterläuft, ist das Abzeichen von Markt.de wertlos.

3. Die nachgebaute Seite

Ein Link, der auf eine Seite führt, die aussieht wie die der Prüfstelle: ähnliche Adresse, gleicher Aufbau, grüner Haken. Der Aufwand ist gering, die Wirkung groß, weil das Opfer ja „selbst nachgesehen" hat.

Die üblichen Tricks bei der Adresse:

MusterBeispiel
Vertauschte Buchstabenhumantrsutseal.com
Angehängtes Worthumantrustseal-verify.com
Andere Endunghumantrustseal.net
Unterseite einer fremden Domainhumantrustseal.pruefung-online.de
Erfundene Beispiele zur Veranschaulichung. Der letzte Fall ist der gemeinste: Was vor dem letzten Punkt steht, kann jeder frei wählen. Entscheidend sind immer die letzten beiden Bestandteile.

Dagegen hilft nur eines: die Adresse selbst tippen, statt einem geschickten Link zu folgen. Und wenn Sie einem Link doch folgen, in der Adresszeile prüfen, was dort tatsächlich steht.

4. Der weitergeleitete echte Link

Das ist die unangenehmste Variante, weil daran nichts gefälscht ist. Jemand nimmt den echten Siegel-Link einer echten geprüften Person und schickt ihn seinen eigenen Opfern. Die Seite ist echt, die Person darauf ist echt geprüft, die Prüf-ID stimmt. Sie ist nur nicht die, die Ihnen schreibt.

Gegen diese Form hilft keine Technik am Link. Ein Link, der sich weiterleiten lässt, lässt sich weiterleiten, auch ein wechselnder. Was dagegen hilft, ist die Bindung an das Profil.

Fragen Sie nicht: „Gibt es dieses Siegel?" Diese Frage beantwortet der weitergeleitete Link mit Ja, und die Antwort ist wertlos.
Fragen Sie: „Gilt es für das Profil, aus dem ich angeschrieben wurde?" Diese Frage kann der Betrüger nicht bestehen. Seinen eigenen Profilnamen bekommt er nicht auf eine fremde Siegelseite.
Geben Sie den Namen ein, aus dem Sie angeschrieben wurden Nicht den, den man Ihnen nennt. Auf jeder unserer Siegelseiten steht dafür ein Feld, und unter Siegel prüfen geht es auch ohne Link.

5. Der abgelaufene oder zurückgezogene Nachweis

Ein Siegel gilt bei uns zwölf Monate. Läuft es ab oder ziehen wir es zurück, bleibt die Seite erreichbar und sagt genau das. Ein stilles Verschwinden wäre für Sie die schlechtere Antwort, weil ein toter Link sich nicht von einem Tippfehler unterscheiden lässt.

Ein Screenshot von damals sieht dagegen aus wie heute. Auch das ist ein Grund, immer selbst nachzuschlagen statt ein Bild anzusehen.

Wie eine echte Prüf-ID aufgebaut ist

Unsere Prüf-IDs sehen so aus: HTS-2026-K7QN3F-Q. Der Aufbau ist kein Zufall.

2026
Jahr der Ausstellung, lesbar, weil es im Gespräch hilft
326
rund 1,07 Milliarden Kombinationen je Jahr
1 / 32
Trefferchance, wenn jemand eine ID errät
Nachgerechnet, nicht behauptet: Das Alphabet hat 32 Zeichen, weil 0/O und 1/I fehlen. Sie werden zu oft verwechselt, wenn eine ID abgetippt oder aus einem Video abgelesen wird.

Das letzte Zeichen ist eine Prüfziffer. Sie ist kein Geheimnis und keine Signatur: jeder kann sie nachrechnen. Sie fängt Tippfehler ab und lässt frei erfundene IDs sofort durchfallen. Was sie nicht beantwortet, ist die Frage, ob ein Siegel echt ist. Das beantwortet allein unsere Datenbank.

Deshalb unterscheidet unsere Prüfseite auch zwei Fälle, die oft verwechselt werden: „Das ist keine Prüf-ID von uns" (das Format passt nicht) und „Dazu haben wir kein Siegel" (das Format passt, aber es gibt keinen Eintrag). Der erste Fall ist eine Aussage über die ID, der zweite über unseren Bestand.

Und wenn nichts gefunden wird?

Dann heißt das nicht, dass die Person unecht ist. Die allermeisten Anbieter:innen sind nirgends geprüft, und das ist ihr gutes Recht. Kein Siegel bei uns heißt genau eines: kein Nachweis von uns.

Umgekehrt gilt allerdings: Wer Ihnen einen Nachweis von uns zeigt, den wir nicht kennen, zeigt Ihnen nicht unseren. Und wer sich weigert, überhaupt eine Überprüfung zuzulassen, hat dafür einen Grund. Er muss nicht schlecht sein, aber er ist da.