Siegel prüfen

2. August 2026

Fakecheck: warum ihn alle verlangen und kaum jemand gerne macht

Wer im Erotikbereich anbietet, kennt die Frage: „Machst du einen Fakecheck?" Wer sucht, kennt die Sorge dahinter. Beide haben recht. Und beide verlieren beim üblichen Verfahren.

Was mit Fakecheck gemeint ist

Ein Fakecheck soll eine einzige Frage beantworten: Steht hinter diesem Profil die Person, deren Bilder dort zu sehen sind? Auf Markt.de und Quoka gehört die Bitte zum Alltag, ebenso in Telegram-Gruppen und in der Anbahnung per WhatsApp. Der Grund ist nüchtern: Bildersammlungen sind in Minuten zusammengesucht, und wer Vorkasse leistet oder eine Anfahrt auf sich nimmt, will nicht der Nächste sein, der auf ein leeres Profil hereinfällt.

Bemerkenswert ist, dass sich dieses Verfahren ohne jede Absprache etabliert hat. Keine Plattform hat es eingeführt, kein Verband hat es beschrieben. Es ist von unten gewachsen, weil die Not da war. Und genau deshalb hat es die Schwächen, die improvisierte Lösungen haben.

Wie er üblicherweise abläuft

Praktisch läuft es auf eine von drei Formen hinaus, meist in dieser Reihenfolge der Verbreitung:

Foto mit Zettel Ein Bild, auf dem die Person einen handgeschriebenen Zettel hält: das Datum, der Name des Fragenden, manchmal der Name der Plattform. Die häufigste Form, weil sie am schnellsten geht.
Kurzes Video oder Videoanruf Mit einer verlangten Geste oder demselben Zettel. Aussagekräftiger als ein Standbild, aber aufwendig und schlecht planbar, weil beide Seiten gleichzeitig Zeit haben müssen.
Bild in bestimmter Pose Häufig verlangt, häufig übergriffig, und für die eigentliche Frage ohne jeden Wert. Wer das fordert, will meistens etwas anderes als Sicherheit.
Die drei üblichen Formen. Allen dreien ist gemeinsam, dass die geprüfte Person den Beweis selbst herstellt und selbst aussucht, was darauf zu sehen ist.

Die Rechnung, die niemand aufmacht

Der Aufwand wirkt klein, solange man ihn einmal betrachtet. Interessant wird er, wenn man ihn hochrechnet. Nehmen wir an, eine Anbieterin bekommt zehn ernsthafte Anfragen pro Woche und jede zweite verlangt einen Nachweis. Das ist eine Annahme, keine Erhebung, aber sie ist konservativ.

5
Nachweise pro Woche bei zehn Anfragen
260
Einzelbilder im Jahr, jedes mit Gesicht
1
Prüfung, wenn eine Stelle sie übernimmt
Gerechnet, nicht erhoben: die Zahlen folgen aus der Annahme oben. Belastbar ist daran nicht die Häufigkeit, sondern das Verhältnis. Der Aufwand wächst mit jeder Anfrage, der Nutzen nicht.

Und der Aufwand ist nicht das Schlimmste daran. Jedes dieser Bilder existiert danach weiter. Es liegt im Chatverlauf eines Fremden, wird weitergeleitet, landet in Sammlungen, taucht Jahre später wieder auf. Ein Nachweis, den man immer wieder neu erbringen muss, ist ein Nachweis, der bei jedem Mal etwas preisgibt, das nicht zurückkommt.

Das übliche Verfahren verlangt die meiste Offenheit von der Person, die ohnehin ehrlich ist. Wer betrügen will, wird davon kaum aufgehalten.

Der Denkfehler: die Richtung stimmt nicht

Warum hält es einen Betrüger kaum auf? Weil er dieselben Bilder machen kann. Wer fremde Fotos benutzt, hält eben selbst einen Zettel hoch. Auf dem Bild ist dann eine reale Person mit einem realen Zettel zu sehen. Nur eben nicht die, deren Bilder im Profil stehen. Ein Videoanruf ist besser, aber auch er beantwortet nur, dass da ein Mensch ist. Ob dieser Mensch das Profil kontrolliert, aus dem geschrieben wurde, beantwortet er nicht.

Alle drei Formen teilen dieselbe strukturelle Schwäche, und sie hat nichts mit dem Aufwand zu tun: der Beweis kommt von der Partei, die bewiesen werden soll. Sie stellt ihn her, sie wählt aus, sie schickt ihn. Wer betrügen will, kontrolliert damit auch den Beweis.

Anbieterin
Kunde

Üblich: Der Nachweis wird von derselben Stelle erzeugt, die geprüft werden soll.

Kunde
Prüfstelle

Belastbar: Der Kunde fragt selbst, bei einer Stelle, die niemand von beiden kontrolliert.

Derselbe Unterschied wie zwischen einem selbst ausgedruckten Zeugnis und einer Auskunft aus dem Register.

Was tatsächlich hilft

Belastbar wird eine Auskunft, wenn drei Bedingungen zusammenkommen. Sie klingen selbstverständlich, aber keine der üblichen Formen erfüllt alle drei.

Bedingung Foto mit Zettel Videoanruf Unabhängige Prüfstelle
Auskunft kommt nicht von der geprüften Partei nein nein ja
Ein amtliches Dokument war im Spiel nein selten ja
Bezug zum konkreten Profil belegt nein nein ja
Ohne neue Preisgabe wiederholbar nein nein ja
Kostet nichts ja ja nein
Die letzte Zeile gehört dazu, sonst wäre die Tabelle unehrlich. Eine Prüfung kostet Geld, die üblichen Verfahren kosten nur Zeit und Nerven.

Bei uns läuft die Prüfung einmal statt bei jeder Anfrage. Ein Mensch sieht ein amtliches Ausweisdokument und ein Video, in dem die Person diesen Ausweis zusammen mit einem Code hält, den wir für diesen Antrag zufällig erzeugen. Der Code belegt, dass die Aufnahme für uns gemacht wurde und nicht irgendwo herumlag. Dass die genannten Profile ihr gehören, weist sie über einen zweiten Code nach, den sie kurz in die Profilbeschreibung setzt und danach wieder entfernt.

Anschließend werden Ausweisbild und Video gelöscht. Öffentlich bleibt das Pseudonym mit den bestätigten Profilen, das Prüfdatum und eine Prüf-ID. Kein bürgerlicher Name, kein Geburtsdatum, keine Anschrift.

Wo auch eine Prüfstelle aufhört

Ein Siegel beantwortet eine Frage, nicht alle. Es sagt: Hinter diesen Profilen steht eine reale, ausgewiesene Person. Es sagt nichts über Angebote, Preise, Absprachen oder Verhalten. Es ist keine Empfehlung und keine Bewertung, und es ersetzt keine klare Verabredung.

Es gilt außerdem nur für die Profile, die darauf stehen. Das ist der Punkt, an dem in der Praxis am ehesten etwas schiefgeht: Ein Betrüger kann den echten Link einer echten geprüften Person weiterschicken. Die Seite ist echt, die Person darauf ist echt geprüft. Sie ist nur nicht die, die gerade schreibt. Deshalb ist die entscheidende Frage nie „gibt es dieses Siegel", sondern „gilt es für das Profil, aus dem ich angeschrieben wurde".

Und schließlich: Ein Siegel gilt zwölf Monate. Danach belegt es nichts mehr, und die Seite sagt das auch. Ein Screenshot von damals sagt es nicht.

Für die Praxis

Wenn Sie anbieten

  • Statt Bilder zu schicken: auffordern, selbst nachzuschlagen. Das dreht ein Misstrauensgespräch in eine Tatsachenfrage.
  • Alle Kanäle prüfen lassen, die Sie tatsächlich benutzen. Ein Nachweis, der Telegram nicht abdeckt, hilft im Telegram-Chat nicht.
  • Auf Posenbilder als „Nachweis" nicht eingehen. Sie belegen nichts, und wer sie verlangt, will meist etwas anderes.

Wenn Sie prüfen

  • Adresse der Prüfstelle selbst eintippen, nicht einem geschickten Link folgen.
  • Den Profilnamen eingeben, aus dem Sie angeschrieben wurden, nicht den, den man Ihnen nennt.
  • Kein Treffer heißt nicht „unecht". Die meisten Anbieter:innen sind nirgends geprüft.
  • Ein Screenshot ist kein Nachweis. Nie.

Der Fakecheck ist deshalb so verbreitet, weil das Misstrauen berechtigt ist. Nur trägt die übliche Form die Last auf der falschen Seite. Sie verlangt immer neue Bilder von der ehrlichen Anbieterin und liefert dem Fragenden am Ende doch nur das, was die Gegenseite ausgewählt hat. Eine einmalige Prüfung durch eine unabhängige Stelle, die jeder selbst abfragen kann, dreht beides um: weniger Preisgabe, mehr Aussagekraft.